100 spannende Tage

Vize-Landrat Michael Kreichauf zieht eine erste Bilanz – Überraschungen inklusive
Stand: 19.08.2026

Das Gespräch beginnt ungewöhnlich. Mit einem „Hmmm“ und einer Pause. Michael Kreichauf weiß gar nicht so recht, wo er anfangen soll. Seit 100 Tagen ist der Eysöldener nun Vize-Landrat. 100 Tage, die gespickt waren mit neuen Eindrücken, neuen Terrains, wunderbaren Begegnungen und Momenten - und nicht zuletzt einer Menge Überraschungen.

Dies zusammenzufassen oder mit einer Überschrift zu versehen, ist gar nicht so leicht. Beginnen wir daher chronologisch. Einer der ersten Termine, die der 52-Jährige in seiner neuen Funktion wahrnahm, drehte sich um Zivil- und Katastrophenschutz, auch der Bayerische Innenminister war da. „Auf einmal kam das Thema sehr nah“, erzählt der Bauunternehmer aus Eysölden. Zumal in einer Dimension, die er so zuvor nicht auf dem Schirm hatte.

Die ersten hundert Tage, sie haben Michael Kreichauf weit herumgereicht. Von der Gründung einer Kinderfeuerwehr (in Unterheckenhofen), einem Arbeitsgespräch mit dem Bauernverband über Vereinsjubiläen, Kirchweihen, Entlassfeiern und überregionalen Treffen, etwa zum Themenkomplex Energie/Stromspeicher/Wasserstoff. Fazit jedes Mal: Neue Einblicke, gerade auch „hinter die Kulissen“.

Über die Termine hinaus, die ihm als Stellvertreter zufallen, möchte Michael Kreichauf eigene Schwerpunkte setzen. Zwei hat er schon, weitere auszumachen, dürfte nicht schwerfallen, „und ich habe ja ein paar Jahre Zeit“. Zunächst hat der Bauingenieur die Infrastruktur im Landkreis im Fokus, als mittelständischem Unternehmer ist Wirtschaft ein großes Thema. Nur logisch, dass die Sanierung der Berufsschule für ihn ein Herzensprojekt ist –in ihr sieht er die Chance, den Fachkräftemangel zumindest abzufedern sowie Handwerk und Ausbildung (wieder) attraktiv zu machen.

Apropos: Mehr als in den Jahren zuvor sei ihm in den vergangenen Wochen „die Herzkammer“ des Landkreises bewusst geworden. Vereine, Betriebe, Identität. „Wir haben viele tolle Menschen hier.“ Sie zu treffen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, habe ihm schon als Vize-Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Thalmässing gefallen, dies nun „eine Ebene höher“ zu erleben, betrachtet er als Privileg.


„Ein bisschen“, lächelt Michael Kreichauf zurückhaltend, habe sich das mit dem Stellvertreter-Posten schon abzeichnet. Ein Walter Schnell, der nicht mehr kandidieren wollte; seit dem Amtsantritt von Ben Schwarz im Kreistag ein Miteinander auf Augenhöhe - etwas, das Michael Kreichauf mehrfach betont -; die CSU als stärkste Kraft im Kreistag und eine überschaubare Liste an potenziellen Kandidaten. Aber erst, als klar war, dass er sein Amt als Zweiter Bürgermeister der Marktgemeinde Thalmässing würde aufgeben müssen -eine Aufgabe, die er immer sehr gerne und mit Leib und Seele ausgeübt hat - habe er entschieden, seinen Hut in den Ring zu werfen.

Es dürfte wenig Menschen geben, die wissen, was der Vize-Posten bedeutet oder bedeuten kann. Mit der schweren Erkrankung und dem Tod von Bürgermeister Georg Küttinger hat der Familienvater schon den „schlimmsten Fall der Fälle“ durchlebt und Monate als Interims-Frontmann Verantwortung übernommen. Wohl mit ein Grund, warum sich der 52-Jährige nicht weggeduckt hat, als es um die bedeutsame Postenvergabe auf Landkreis-Ebene ging.

Die Kommunalpolitik ist das größte Hobby des zweifachen Vaters und stolzen Opas. An dem berühmten „Etwas-bewirken-können“ sei schon was dran, betont er. Zudem bringe man Bürgern oder Ehrenamtlichen mit seiner Anwesenheit oder auch dem offenen Ohr Wertschätzung entgegen. „Und man bekommt ja auch was zurück, es tut einfach gut, ein gern gesehener Gast zu sein“, gibt er gerne zu.

24 Jahre sitzt der Bauunternehmer schon im Kreistag und doch war er regelrecht „geflasht“, wie vielfältig die Aufgaben eines Landrats, aber auch die des Amtes sind. In dem ging es schon mit der Zahl der Bediensteten los. „Ich dachte so an Drei-, Vierhundert“, gibt er zu – in Wahrheit sind es über 700.

Auch die Fülle der Terminanfragen für ihn habe ihn ein wenig überrascht. Natürlich könne er nicht alle wahrnehmen, „es gibt ja auch noch das Tagesgeschäft in der Firma“, lächelt er. Mit Helmut Bauz und Birgit Fuchs gebe es zudem noch zwei weitere Stellvertreter, die gerne und zuverlässig Termine wahrnehmen.

Die Themenbreite sei riesig und reiche im wahrsten Sinne des Wortes von A wie Abschlussfeiern bis Z wie Zivilschutz – ein immer wichtiger werdendes Handlungsfeld. Dazwischen: Veranstaltungen unter dem Original-regional-Siegel („eine der Stärken“), Besuche in Kindergärten oder von Kirchweihen, in zwei Schwabacher Schulen mit der unerwarteten Erkenntnis, dass unter den Absolventen sehr viele junge Menschen aus dem Landkreis waren.

Überrascht hat ihn auch die Vielfalt des Landkreises selber. „Jeder Ort, jede Gemeinde hat seine Besonder- und Eigenheiten, eine spezielle Liebenswürdigkeit.“ Eine neue Erfahrung ist sein persönliches Nord-Süd-Gefälle. Während ihn im Raum Thalmässing/Greding/Heideck/Hilpoltstein gefühlt jeder kennt, ist er in Rohr oder gar Schwabach „der Unbekannte“. Was ihm gerade da positiv aufgefallen ist. „Ich bin überall wertschätzend empfangen worden.“ Auch auf höheren Ebenen, von Nachbarlandräten und deren Stellvertretern, zudem auf Augenhöhe und kollegial. Dazu wird er zeitnah mehr Gelegenheiten haben als üblich – schließlich steht die Urlaubsvertretung von Ben Schwarz an.

Neben seinem Terminkalender hat sich auch sein Auto in den vergangenen 100 Tagen verändert – zum „Multifunktionsfahrzeug“. Über Baustellenequipment und Bürounterlagen sind jetzt auch Terminvorbereitungen mit im Gepäck sowie stets ein Sakko und „vorzeigbare“ Halbschuhe.

Um ein Bild vom Innenleben der Behörde zu machen, hat sich Michael Kreichauf kürzlich zwei halbe Tage Zeit genommen und mit Landrat Ben Schwarz fast alle Fachbereiche durchstreift. Auch hier die Erkenntnis: „Vieles ist einem nicht bekannt oder bewusst.“ Er sei auf eine Menge Mitarbeiter mit viel Herzblut gestoßen. „Ich wollte mich nicht vorstellen, sondern vor allem zuhören.“ Was offenbar gut ankam, „das Feedback war sehr positiv.“ Und auch sein Eindruck: Als Unternehmer wisse er, wie wichtig das Betriebsklima ist.

Voll des Lobes ist er nach den ersten Sitzungen der Legislaturperiode auch wieder vom guten Miteinander im Kreistag, der sehr lösungsorientiert mit Landrat Ben Schwarz an der Spitze arbeite. Zu politischen und finanziellen Herausforderungen komme eine weitere: „Die demokratischen Kräfte müssen zusammenhalten.“

100 Tage – was sagt Michael Kreichauf selbst dazu? „Die neue Aufgabe macht mir große Freude, die Begegnungen und Gespräche mit Menschen sind eine Bereicherung. Ich freue mich auf das, was noch kommt!“

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