
Die Hausaufgaben-Engel
Initiative des Landratsamts hat schon viele Erfolge gefeiert und schöne Geschichten geschrieben – nun werden Ehrenamtliche für das neue Schuljahr gesucht
Stand: 06.09.2026
Ausnahmsweise trifft es der Titel dieses Mal nicht ganz. „Hausaufgabenbetreuung“ steht auf dem Plan und natürlich wird die im Haus International Woche für Woche geboten. Aber eben noch viel mehr.
In Wirklichkeit geht das, was die Betreuer leisten, über Hilfe in Sachen Schule und Lernen hinaus. „Sie sind Kümmerer im besten Sinne“, bringt es Frau Gräf stellvertretend -anerkennend auf den Punkt. Die Verantwortliche von Seiten des Landratsamtes weiß: Da wird natürlich geübt, aber auch geredet und zugehört.
Birgit Halbritter ist eine der Ehrenamtlichen. Und das seit ziemlich genau einem Jahr. Einen ersten Kontakt zum Haus International und hatte es zwar nach einer ersten Interessensbekundung der Rotherin bereits gegeben. Beim Altstadtfest ist Frau Halbritter dann Integrationslotsin Frau Liebenberg über den Weg gelaufen. Ein perfektes Match, denn Halbritter war gerade so richtig im Ruhestand angekommen, Liebenberg (wie immer) auf der Suche nach neuen Unterstützern.
Die braucht es reichlich, setzt das Haus doch auf eine „Eins zu eins“-Betreuung. Ein Punkt, der es von anderen Angeboten abgrenzt. „Wir wollen keine Konkurrenz, sondern Ergänzung sein“, erklären die beiden Integrationslotsinnen. Die (Grundschul-)Kinder, die bei hier Unterstützung suchen, schätzen die intensive und individuelle Betreuung.
Birgit Halbritter hat die für sie richtige Aufgabe gefunden. Ein bis eineinhalb Stunde pro Woche und Schützling – in der Regel nicht mehr als zwei – bei flexibler Zeitvereinbarung. In ihrem Fall noch inklusive kurzer Wege, kann sie doch mit dem Fahrrad zur Nachhilfe fahren. „Es ist geschenkte Zeit“, sagt die frühere Compliance-Managerin. „Man bekommt viel zurück.“
Und kann Erfolgserlebnisse teilen. Auch Frau Halbritter, der eine 14-Jährige vermittelt wurde, die unbedingt den M-Zweig schaffen wollte. „Das war dann eine Riesenfreude“, erinnert sich die 61-Jährige. Doch es sind auch kleine Momente, die gegenseitig motivieren und die nicht immer etwas mit Noten zu tun haben, sondern mit Vertrauen, wenn die Jungen und Mädchen etwa von Zuhause erzählen.
„Im Haus ist es ein bisschen so wie Familie“, beschreibt Frau Liebenberg, eine der beiden Integrationslotsinnen des Landkreises. „Einige bleiben sogar hängen“, berichtet sie von zwei Mädchen, die über die Hausaufgabenbetreuung kamen und sich jetzt bei den Sprachcafés engagieren. Deswegen ist es Frau Liebenberg und ihrer Kollegin Sophia Hoch auch so wichtig, dass die Nachhilfe in den Räumen am Kugelbühlplatz stattfindet. Nachhilfe in den Räumen am Kugelbühlplatz stattfindet. So bekommen sie hautnah mit, ob die Lernpaare zueinander passen. „Erst mal beschnuppern“, lautet das Credo. Schließlich wolle man gerade Ehrenamtlichen nichts aufdrängen.
Weiterer Vorteil: Fällt mal jemand aus, können die LRA-Mitarbeiterinnen einspringen. Denn bei aller gewünschten Verbindlichkeit, sagen sie: „Wenn es mal nicht geht, geht es nicht.“ Wobei die Integrationslotsinnen betonen, dass das Miteinander unkompliziert ist. „Die meisten sprechen sich ab und wechseln bei Terminschwierigkeiten einfach den Tag. „Dass das gut und eigenständig funktioniert, sehen Liebenberg und Hoch als positives Signal. „Es zeigt, dass das Angebot als wichtig angesehen und wertgeschätzt wird.“ Die „Stunden“ im Haus – das es seit 2019 gibt - schützen zudem die Privatsphäre sowohl von Schülern als auch Lehrern und schaffen Begegnung – ein weiteres zentrales Ziel des Hauses.
Es gibt aber Ausnahmen. „Bei Jugendlichen geht´s schon auch mal online“, berichtet Frau Liebenberg. Das wird vor allem dann genutzt, wenn Schüler und Lehrer weiter entfernt wohnen oder „nur“ ein Crash-Kurs für eine wichtige Mathe-Prüfung ansteht.
Angeboten wird die Betreuung nicht nur in Roth, sondern auch in Rednitzhembach, Eckersmühlen, Hilpoltstein und Heideck. Zum Schuljahresende waren es 14 Jungen und Mädchen, denen elf Frauen und ein Mann unter die Arme greifen. Anfragen aber gab es mehr, weshalb die Suche nach weiteren Ehrenamtlichen forciert werden soll.
Birgit Halbritter möchte ihren Teil dazu beitragen. Daher hat sie sich bereit erklärt, beim Ehrenamtsseminar am 19. September von ihrer „sinnstiftenden Tätigkeit“ zu berichten. „Auf alle Fälle“, sagt sie auf die entsprechende Frage von Frau Gräf, werde sie ihren „Job“ weiterempfehlen.
Der ist ein unkomplizierter und offener Umgang wichtig und zugleich ein Schlüssel zum Erfolg. Folglich hört sie die Einordnung der Rotherin nur allzu gerne, dass sie sich „nicht angehängt“ fühle. Eine Aussage, mit der dem einen oder der anderen Scheu genommen werden könnte. Zumal Fahrtkosten erstattet würden und „Unterrichts“-Material zur Verfügung gestellt wird.
Der überwiegende Teil der Ehrenamtlichen sind Ruheständler oder Studenten, die Praxisbezug suchen, berichtet das Team, das eine tiefere Durchmischung begrüßen würde. Außer dem Interesse und der Freude an dieser Tätigkeit sind keine speziellen Kenntnisse oder Qualifikationen nötig, wollen die Verantwortlichen mögliche Hemmungen ausräumen. Da die meisten Schützlinge im Grundschulalter sind, müsse man auch keine Angst vor „höhere Mathematik“ haben.
Wobei auch da gilt: Wenn jemand Spezialwissen in „nur“ einem Bereich hat, ist er auch herzlich willkommen. „Wir finden für jeden eine Aufgabe“, lächelt Frau Liebenberg vielversprechend.
„Wir haben selbst in Corona durchgehalten“, erzählt Frau Liebenberg stolz. Eine Leistung, für die das Haus International im Jahr 2020 mit dem 2. Mittelfränkischen Integrationspreis für die digitale Hausaufgabenbetreuung während Corona ausgezeichnet wurde.
