
Die "Profilerin" fürs Ehrenamt
Dorothea Pille bringt Interessierte und Angebote zusammen – und würde sich über mehr Kundschaft freuen
Stand: 14.02.2026
Das perfekte „Match“, es gibt es. Nicht nur in der Partnervermittlung, aus der man diesen Begriff kennt, sondern auch in der beruflichen Welt von Dorothea Pille. Ein Beispiel, das ihr sofort in den Sinn kommt und zugleich ihre Aufgabe bestens beschreibt. Zwei junge Frauen türkischer Herkunft, die sich ehrenamtlich engagieren wollten und die sie an den Jugendtreff Allersberg vermittelt hat. Genau für solche Fälle ist die Hilpoltsteinerin da – und nicht nur für diese.
Dorothea Pille betreut im Landratsamt die Stelle „Für einander“. Der Name ist Programm, besonders im Fokus stehen „Ehrenamt und Senioren“, zugleich der Untertitel. Wie aber sieht das in der Praxis aus? Als Landrat Ben Schwarz nun ein Einladungsflyer zu einem „Einsteiger-Seminar“ auf den Schreibtisch flatterte, wollte er es genau(er) wissen.
Beratung und Vermittlung ist das Kerngeschäft der 50-Jährigen. Dafür fühlt sie Interessierten erst einmal ordentlich auf den Zahn. Was können sie sich vorstellen? In welchem Bereich möchten sie sich engagieren? Wieviel Zeit wollen sie einbringen? Wird Teamarbeit bevorzugt oder eine 1:1-Betreuung? „Je mehr ich weiß, desto passgenauer kann ich dann suchen“, erklärt Pille.
Im „Fall“ der türkischen Schwestern lief das so ab. Die damals 15- und 19-Jährigen waren auf der Suche nach einem regelmäßigen Einsatz, einmal in der Woche und an einem festen Tag. Und es sollte etwas mit Kindern oder Jugendlichen sein. Weitere Interessen waren Pädagogik, Kunst, Musik und Sprachen. „Der Jugendtreff Allersberg bot all das und auch das Engagement in einer Gruppe, das den beiden auch noch wichtig war.“
Erfolge wie diese sind wichtige Motivationskicks für Dorothea Pille, die sich mehr „Kunden“ wünscht. „Ich denke, wir sind noch nicht bekannt genug“, sagt sie nachdenklich. Auch aus diesem Grund bietet sie besagtes Einsteigerseminar am 28. Februar (10 bis 12 Uhr im Haus des Gastes in Hilpoltstein) an.
Hürden abbauen und Mut machen gehören genau so zum „Job“. Manche hält die Sorge vor der Verantwortung oder einem Versicherungsschutz von einem Engagement ab, andere fürchten, vereinnahmt zu werden. Und ganz andere wiederum zögern, weil sie sich für „nicht gut genug halten“.
Alles Dinge, die Dorothea Pille, von den meisten nur „Doro“ genannt, entkräften kann. Denn so vielseitig wie die (potenziellen) Ehrenamtlichen sind auch die Möglichkeiten, sich zu engagieren. Die gelernte Freiwilligenmanagerin nennt ein Beispiel: Wer lieber weniger redet, ist etwa bei einem Fahrdienst von Nachbarschaftshilfe oder Lebensmittelrettern gut aufgehoben. Zudem gibt es für nahezu jeden Bereich Schulungen, oft auch online. Dorothea Pille hat einen Überblick und hilft gerne beim Finden oder auch der Anmeldung.
Vermitteln „muss“ die Landratsamtsmitarbeiterin manchmal auch „hausintern“. Der Förderverein zur Unterstützung des Bürgerschaftlichen Engagements (FUBE), dem Landrat Ben Schwarz vorsteht, kann Ehrenamtliche absichern, aber auch unterstützen, wenn jemand eine eigene Idee umsetzen will, aber keinen eigenen Verein hinter sich hat. „Das hat so manches Projekt erst ermöglicht“, berichten Pille und Schwarz.
Wenn sich die Hilpoltsteinerin auch über jedes telefonische oder persönliche Gespräch freut, macht sie dennoch auf ein Angebot aufmerksam, das noch niederschwelliger ist: Über die Homepage des Landratsamtes gelangt man zu einer Plattform, auf der man sich registrieren oder schauen kann, was gerade in der Rubrik „gesucht“ auf dem Markt ist. „Letztlich ist es nicht wichtig, wie die beiden Parteien zusammenfinden, sondern, dass“, verdeutlicht sie.
Dem Landrat ist der Support für das Ehrenamt auch aus einem weiteren Grund wichtig – wenngleich der sich auf den ersten Blick vielleicht nicht aufdrängt. „Damit stärken wir unsere Demokratie“, betont er. Denn in Gesprächen, bei Begegnungen, im Miteinander, durch Absprachen und mehr würden Werte wie Toleranz und Rücksichtnahme „gelehrt“ und gelebt.
Dorothea Pille ist nicht nur Ansprechpartnerin für Interessierte und Ratgeberin für bereits Engagierte, sie steht auch Vereinen, Verbänden und Organisatoren zur Seite, die Helfer brauchen. Die Anfragen sind breit gestreut und reichen vom kleinen Klub, der Kuchenbäcker für ein Jubiläum sucht bis zum Klassiker „Übungsleiter gesucht“. Die Sache mit dem Kuchen erwähnt die 50-Jährige bewusst, zeigt sie doch zweierlei: Engagement kann einmalig und mit wenig Aufwand verbunden sein („zumindest für Menschen, die gerne backen“). Zum anderen sind es oft kleine Berührungspunkte wie diese, die zum Start einer intensiveren „Beziehung“ werden.
Weitere Aktionen, auf die sie schon hinweisen kann, sind der Vereinsführerschein, eine sechsteilige Aus- und Fortbildungsreihe. Die startet am 18. April. Beteiligen will sich der Landkreis ebenso wieder an der bundesweiten Woche des Bürgerschaftlichen Engagements (heuer vom 11. bis 20. September).
„Das ist ja wirklich eine Rundum-Versorgung, die da geboten wird“, staunt Ben Schwarz anerkennend. „Politik sagt doch immer, Ehrenamt sei das Rückgrat der Gesellschaft. Wir müssen dafür auch etwas tun.“ Und wenn es die Suche nach dem perfekten Match ist…
