
Einblick in zwei spannende Einrichtungen
GISS-Ausschuss besichtigt die Musterwohnung TABEA und das Haus International – und zeigt sich beeindruckt
Stand: 22.10.2026
Den Amts-Saal mit zwei ungewöhnlichen Orten hat kürzlich der „GISS“-Ausschuss getauscht. Grund war die Einladung des Fachbereichs „Für einander“ – Ehrenamt und Senioren, der die Ausschussmitglieder eingeladen hatte, sich selbst ein Bild von zwei wichtigen Einrichtungen des Landkreises zu machen. Gemeinsam mit Sachgebietsleiterin Kerstin Gräf besuchten die Kommunalpolitiker zunächst die barrierefreie Musterwohnung TABEA und machten sich bei einer kleinen Weltreise ins Wohnzimmer auf ins Haus International, um eine Menge über die Integrationsarbeit zu erfahren – und beeindruckende Geschichten zu hören.
Wie die von Masomeh, die 2021 mit ihrer Tochter (alleine!) aus dem Iran geflohen ist. Als alleinerziehende Mutter macht die 34-Jährige derzeit eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Ins Haus International gekommen ist sie durch die in ihm angebotenen Deutschkurse. „Das Haus International hat mich in meinem neuen Leben in Roth sehr unterstützt. Ohne die Hilfestellung beim Deutschlernen und bei der Ausbildungssuche wäre es mir schwergefallen, Kontakte zu knüpfen aufzubauen und mich zu integrieren. Das Haus war und ist für mich ein wichtiger Anlaufpunkt“.
Der maßgeschneiderte Unterricht ist nur eines der vielen Projekte, die Integrationslotsin Sophia Hoch dem Ausschuss für Gesundheit, Inklusion, Seniorenarbeit und Soziale Angelegenheiten vorstellte. Von ihren Erfahrungen berichtete auch Ingrid Zier, eine der Ehrenamtlichen. Die 82-Jährige, die im Augustinum ein neues Zuhause gefunden hat, gibt besagte Deutschkurse und sagt: „Ich bin überrascht über die Motivation und den Ehrgeiz, mit dem die Schüler und Schülerinnen den Unterricht besuchen. Es ist nicht einfach, in ein fremdes Land zu kommen und eine Sprache von Grund auf zu lernen. Das erfordert viel Mut und Geduld.“
Mit der Venezolanerin Thalia und dem Iraner Behrouz erzählten zwei weitere Menschen ihre Lebensgeschichte, die sinnbildlich für eine erfolgreiche Integration stehen. Thalia hat in diesem Jahr an der Kreisklinik mit einer Ausbildung zur Pflegefachfrau begonnen. Zusammen mit Behrouz (43), der nach seiner Ausbildung als Koch jetzt als Küchenchef in einem Schwabacher Restaurant arbeitet, sprachen sie ganz offen über die Sorgen rund um ihre Aufenthaltserlaubnisse – die in ihren Fällen nicht vom Landratsamt, sondern der Zentralen Ausländerbehörde bearbeitet werden.
Bereits 2017 hat der Landkreis Roth mit Aline Liebenberg die erste Integrationslotsin eingestellt und damit bayernweit eine Vorreiterrolle übernommen, erklärte Kerstin Gräf. Seit 2019 gibt es in der Kreisstadt das Haus International, das seit 2022 am Kugelbühlplatz zu finden ist.
Das Haus International versteht sich als Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Dafür gibt es neben der Weltreise ins Wohnzimmer, bei der aus dem Heimatland gekocht, Kultur erklärt und dann „geratscht“ wird, auch viele andere Projekte, wie etwa die Goldstückchen-Workshops. In ihnen zeigen Geflüchtete ihre Kenntnisse und Fähigkeiten und geben diese weiter. Aktueller Schwerpunkt ist das Thema Sprache, informierte Sophia Hoch. Dafür gibt es neben Sprachcafés auch viele andere Formate wie Hausaufgabenbetreuung oder Sprachunterstützung in Kleingruppen – teilweise sogar mit Kinderbetreuung.
„Wir unterstützen Ehrenamtliche, die sich im Integrationsbereich engagieren“, umschrieb die Integrationslotsin ihre Tätigkeit. Zudem gehe es um Vernetzen, das Gewinnen von Mitstreitern und deren Begleitung. „Unser Einsatzort ist der gesamte Landkreis und das ganze Feld Integration“, verdeutlichte sie. Auch für die Helferkreise fungieren die beiden Landratsamtsmitarbeiterinnen als Ansprechpartner.
Rund 40 Projekte haben die Verantwortlichen schon umgesetzt, derzeit engagieren sich rund 240 Ehrenamtliche im Haus International sowie den Gemeinden. Landrat Ben Schwarz ließ es sich trotz vollem Terminkalender nicht nehmen, in der Kugelbühlstraße vorbeizuschauen und mit seinen Kreistagskollegen und den Besuchern ins Gespräch zu kommen. „Die Lebensgeschichten der Menschen haben mich beeindruckt. Umso wichtiger ist es, dass wir mit dieser Einrichtung Brückenbauer sein können, um ihnen auf dem wichtigen Schritt der Integration zur Seite zu stehen“.
Viel Neues zu erfahren gab es auch in der barrierefreien Musterwohnung TABEA – von der einige Ausschussmitglieder zugaben, sie noch nie von innen gesehen zu haben. Doch auch diejenigen mit Vorerfahrungen staunten über die zahlreichen neuen Alltagshelfer. „Oft sind es Kleinigkeiten, die einem das Leben leichter machen können“, erläuterten Gerhard Kunz und Carmen Fuhrmann, die beiden Wohnraumberater des Landkreises. Sie zeigen Möglichkeiten auf, wie ein Verbleiben im eigenen Zuhause trotz Einschränkungen gelingen kann, bei Bedarf auch in den vier Wänden der Betroffenen. Zum „Service“ gehört zudem, auf Fördermittel hinzuweisen und gemeinsam nach der bestmöglichen Lösung zu suchen.
Rund 650 bis 700 Besucher informieren sich jährlich zu den Öffnungszeiten, zusätzlich werden Online-Führungen sowie ein 360 Grad-Rundgang angeboten. Steigend ist auch die Zahl der Wohnraumberatungen. Im vergangenen Jahr waren es 873.
Eine Zahl, die die Ausschussmitglieder gerne hörten, zeigen sie doch, dass die barrierefreie Musterwohnung, die im nächsten Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, eine wichtige und richtige Einrichtung ist. „Es ist schon beeindruckend, welche Bandbreite TABEA zeigt und welche Möglichkeiten es gibt, um den Alltag trotz Einschränkung selbstständig bestreiten zu können“, brachte es ein Ausschussmitglied auf den Punkt.
