
Endlich wieder Karpfen
Saisonstart mit Traumfischen in Weihern und auf Tellern – Plädoyers für heimische Produkte
Stand: 31.08.2026
Wenn das kein bestes Omen ist: Mit dem zweiten Wurf holte Sven Weichenberger gleich sechs Karpfen aus dem Weiher. Und was das noch dazu für Prachtexemplare waren! So kann die Saison wahrlich starten, waren sich alle beim offiziellen Auftakt in Obersteinbach einig. Der hatte neben großer Kulinarik auch die ein oder andere informative Überraschung zu bieten.
Allen voran die Aussicht auf die „R-Monate“. Schließlich könnte man meinen, dass die Tiere nach diesem Hitzesommer alles anderen als in exzellenten Zustand seien. „Weit gefehlt“, erklärt Sven Weichenberger vom Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern (LKV). Zumindest dann, wenn die Weiher in einem guten Zustand waren und die Teichwirte „hinterher“. Bedeutet: Tägliche Kontrolle, gezieltes und gekonntes Kalken und Füttern, Bei-Arten in passender Mischung und Anzahl sowie wenig Pflanzen im Wasser. Die seien nämlich die Verursacher für Probleme mit der Sauerstoffversorgung – dem eigentlichen Übel.
Die Weiher von Georg Gsänger, Gastgeber der Auftaktveranstaltung, seien Musterbeispiele, sagt Sven Weichenberger mit Blick auf die Flächen. Womit er bei einem Herzensanliegen ist: „Wir müssen arg aufpassen auf unsere Teichwirte, die bewahren Natur und Kultur.“ Konkret: In trockenen Sommern fungieren die kleinen Seen als Wasserreservoirs für Wildtiere. Oder, wie Ingrid Bär, Leiterin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg, (AELF) zusammenfasst: „Da würden Oasen fehlen.“ Der Karpfen ist für sie „ein wunderbares Lebensmittel“ und für die gesunde Ernährung bestens geeignet. Ihr Vor-Vorgänger Werner Wolf spricht von Idyllen – von denen nicht zuletzt die Allgemeinheit profitiere.
Landrat Ben Schwarz, zugleich Vorsitzender der Teichgenossenschaft Schwabach-Roth, unterstreicht diese Aussagen und ergänzt sie mit Blick auf die Wertschöpfungskette. Die Familie Gsänger setze da sogar noch eins drauf: Vom Weiher in die eigene (Gasthaus)Küche und dann frisch auf den Teller, „besser geht es nicht“. Um die direkte Kette Produktion-Veredlung „dürften uns viele beneiden“.
Wie um das gute Miteinander aller Beteiligten von Landwirten über Wasserwirtschaftsamt bis zum Bezirk und dem AELF. Weil es einer der letzten Termine von Ingrid Bär vor der Pensionierung ist, nutzt Ben Schwarz die Gelegenheit, ihr für die äußerst angenehme Zusammenarbeit, fachlich, wie menschlich, zu danken. „Das war stets ein zielorientierter Austausch auf Augenhöhe.“
Den Bezirk bringt Sven Weichenberger an anderer Stelle ins Spiel. Der finanziere fast eine ganze Beratungsstelle, klärt er auf, und unterstützt damit an der Basis. Ben Schwarz spannt den Bogen zurück. Dass die Aussichten gut seien, spreche für die Professionalität der Beratung. „Hier geht eins ins andere über.“
Die Schwabach-Rother mag zwar eine kleine Teichgenossenschaft sein, „aber wir stehen für hohe Qualität“, betont er. Möglich sei das nur, „weil hier Menschen mit Leidenschaft am Werk sind.“ Menschen wie Georg Gsänger. Der Ruf der Obersteinbacher „Alten Linde“ als Schnitzelranch ist spätestens seit den 1960er Jahren legendär. Das Wirts-Urgestein lässt die zahlreichen Ehrengäste an „seiner“ Geschichte teilhaben, die letztlich ins Gasthaus führt, das inzwischen Tochter Claudia betreibt. Sie kann einen besonderen Luxus genießen – und an ihr Publikum weitergeben: Papa Georg kümmert sich von A bis Z, fängt und liefert die Fische letztlich „bereit zur Zubereitung“ in die Küche.
Georg Gsängers Vater hatte die Wirtschaft schon übernommen, damals mit einem Weiher, den er sich noch dazu mit dem Nachbarn teilen musste – ein Jahr der eine, eines der andere. In den 1960er Jahren ergab sich die Chance, auf einem zu verkaufenden Grundstück drei Weiher zu errichten. „Des is gut gloffn“, er selbst schlug folglich vor gut zehn Jahren in der Nähe von Barnsdorf groß zu, Motto: drei auf einen Streich. Seitdem kann der Gasthaus-Bedarf komplett aus dem eigenen Bestand gedeckt werden. Claudia Gsänger setzt neben traditioneller Zubereitung auch neue Akzente – was die Gäste bei der Vorspeise genussvoll erfahren.
Neue Wege gehen möchte auch die Teichgenossenschaft. Sie wird sich heuer erstmals beim Thalmässinger Michaelimarkt am 20. September präsentieren – mit Karpfenburgern und -chips. „Damit wollen wir zeigen, dass heimischer Fisch modern ist“, laden Geschäftsführer Jens Simson und sein Vize Christian Fleischmann ein. Eine Idee, die Sandra Braun, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA, sehr begrüßt. Es gelte, gerade bei den Jüngeren, Begeisterung für heimische Produkte zu wecken. Andernfalls gingen wertvolle kulinarische Wurzeln verloren. „Wir haben alles Gute direkt vor der Haustür. Wir brauchen kein Sushi.“
„Jeder Weiher ist anders“, bestätigt Gsänger das, was Sven Weichenberger für ganz Bayern betont. Umso wichtiger ist das genaue Hinschauen. Der Hitzesommer habe, so der LKV-Fachmann, „die Spreu vom Weizen getrennt.“ Die Teiche, die nicht so gut bestellt waren oder mit ganz extremen Bedingungen klarkommen musste, würden teils große Verluste mit hohen wirtschaftlichen Schäden erleiden.
Die Fakten zur Eröffnung der Karpfen-/Fischsaison kennt Michael Buchholz von der Kreisentwicklung. 33 original regional Gaststätten nehmen teil, zudem acht Teichwirte (einer mehr als im Vorjahr, neu im Angebot ist Stör)). Er erklärt zudem, warum bei der Saisoneröffnung keine Gewinner der Karpfen-Genießer-Tour ausgezeichnet wurden. Das Konzept wurde auf alle Genießerwochen (Lamm, Spargel, Karpfen, Wild) erweitert, mit der Folge, dass sich der Einsendeschluss auf den 31. Dezember verlängert.
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Genusswochen
Herr Buchholz
Wirtschaftsförderung, Regionalmarketing