Gemeinsam Chancen nutzen

Klinik, Kreis, Stadt: Am Mittwoch wurde das Strukturgutachten für die Gesundheitsversorgung der Region vorgestellt und erläutert
Stand: 12.03.2026

Roth bleibt Notfallstandort, Schwabach bekommt eine Fachklinik

In den vergangenen Monaten ist viel über die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region gesprochen worden. Nun steht fest, wie sich die Kreisklinik Roth und das Krankenhaus Schwabach ausrichten wollen. Während Roth den beschrittenen Weg weiter geht, stehen in der kreisfreien Stadt Veränderungen an. Mit eingeflossen sind die Ergebnisse eines am Mittwoch im Landratsamt vorgestellten Strukturgutachtens. Dabei wurde eines deutlich: der gemeinsame Wille aller Protagonisten, eine bestmögliche Gesundheitsversorgung für die Region auf die Beine zu stellen.

Im Mai vergangenen Jahres hatte die Kreisklinik Roth ein vom Bayerischen Staatsministerium finanziell gefördertes Strukturgutachten beauftragt, das Landkreis, Stadt und der Träger des Schwabacher Krankenhauses, Diakoneo, begleiteten. Erstellt hatten die Analysen die Fachleute von ZEQ Health Care Experts GmbH aus Mannheim.

Dem Gutachten zugrunde liegen demografische Prognosen. Die Bevölkerung wird in der Region bis 2040 um 2,3 Prozent wachsen, während der stationäre Versorgungsbedarf durch Ambulantisierung deutlich sinkt. In Mittelfranken werden bis 2035 rund 14 Prozent weniger stationäre Fälle erwartet. Die Gutachter empfehlen daher die Konzentration auf einen Krankenhausstandort, um Doppelstrukturen zu vermeiden und die Versorgung wirtschaftlich tragfähig zu gestalten. Die Erreichbarkeit eines Krankenhauses bliebe für 99,9 Prozent der Bevölkerung bei Schließung einer Notfallambulanz innerhalb von 30 Minuten gewährleistet.

Gleichzeitig betont das Gutachten die wachsende Bedeutung ambulanter und sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen. Die Experten von ZEQ ziehen ein weiteres Fazit aus ihren Analysen: Sie raten, ein Krankenhaus als Grund- und Regelversorger mit einer rund um die Uhr geöffneten Notfallversorgung weiterzuführen und für den anderen Standort gegebenenfalls weitgehend ambulante Strukturen vorzusehen. Ihr Vorschlag: Roth soll der Notfallstandort sein.

„Die Feststellung, dass es in unserer Region auch weiterhin eine leistungsfähige stationäre Krankenhausversorgung geben muss, ist ein gute Nachricht. Ebenso, dass diesbezüglich sehr gute Rahmenbedingungen für die Kreisklinik Roth bestehen“, betont Landrat Ben Schwarz. Er ordnet ein: Es sei immer klar gewesen, dass das Gutachten nur eine Empfehlung ausspricht, die weder für den Landkreis, die Stadt Schwabach, den neuen Investor noch für das Gesundheitsministerium oder
die Kostenträger bindend ist. Jedes Haus und seine Träger hätten daher die vergangenen Wochen genutzt, um für sich alle sinnvollen Optionen zu prüfen. Bezogen auf die Menschen stellt er klar, dass es speziell für ihn im Prozess stets die Sicherstellung einer bestmöglichen Versorgung der Bevölkerung gegangen sei. .“Jetzt liegen die Leitplanken der zukünftigen Ausrichtung der Gesundheitsversorgung vor und ich bin sehr zuversichtlich, dass damit ein sehr guter Fahrplan für die Gesundheitsversorgung unserer Region erstellt ist.“

Das Krankenhaus in Schwabach, das sich ab April in Trägerschaft des privaten Investors Navicare-Med befindet, soll künftig als Fachklinik mit den Schwerpunkten Geriatrie, Neurologie und Orthopädie betrieben werden. „Dass es am Standort Schwabach weiter geht, ist für uns eine große Erleichterung“, sagt Knut Engelbrecht, der Rechtsreferent der Stadt. Er ist überzeugt, dass sich „aus dieser Entscheidung etwas entwickeln“ wird. Denkbar und wünschenswert aus Schwabacher Sicht sind etwa ein sogenannter Care Campus mit ambulanten Angeboten, ein ambulantes OP-Zentrum sowie digitale Telemedizinlösungen und ein Reha-Zentrum.

Für die Umsetzung des Konzepts ist noch die Zustimmung des Gesundheitsministeriums und der Krankenkassen erforderlich. In Schwabach ist man zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass die Transformation zu einer Fachklinik Mitte 2026 abgeschlossen sein wird.” Gemeinsam mit Oberbürgermeister Peter Reiß und Landrat Ben Schwarz formuliert er ein Ziel: „Wir bleiben in engem Austausch und möchten die medizinische Versorgung in der Region dauerhaft und nachhaltig sichern.“

Die Kreisklinik Roth wird als „systemrelevantes Haus“ weiterhin die Grund- und Regelversorgung und die Notfallversorgung auf dem gewohnt hohen Behandlungsniveau für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach übernehmen. Das betrifft insbesondere die Gastroenterologie, Kardiologie, die Allgemein- und Viszeralchirurgie, die Orthopädie, Unfallchirurgie und die Geriatrie –letztere sowohl bei der Akutversorgung als auch im Reha-Bereich. „Durch eine Fachklinik in Schwabach kommt es wohl zu Überschneidungen im Leistungsportfolio“, spricht Nadine Ortner, Vorständin der Kreisklinik Roth, einen Aspekt an, der zuletzt für Diskussionen gesorgt hatte. Um das im Detail beurteilen zu können, müsse man abwarten, welche Leistungsgruppen das Ministerium der Klinik in Roth zuteilen
werde und wie sich der neue Träger in Schwabach letztlich ausrichte.

Die Kreisklinik habe eine gute Chance, sich weiter wirtschaftlich zu stabilisieren. Mit dem gerade entstehenden Neubau der zentralen Notaufnahme, der Eröffnung der Akutgeriatrie und all den anderen Maßnahmen, die im vergangenen Jahr umgesetzt wurden, sei man auf dem richtigen Weg. Ortner: „Wir dürfen nicht nachlassen und müssen unsere Strukturen weiterhin anpassen. Dann werden wir den gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen auch zukünftig gerecht werden können, uns im Umfeld behaupten und eine hervorragende Anlaufstelle für Patienten sein.“