
Hüter der Geschichte
Seit gut zweieinhalb Jahren ist Albert Hofbeck Kreisarchivpfleger – mit Landrat Ben Schwarz zieht er eine erste Bilanz
Stand: 27.09.2026
Nicht, dass er eine Referenzarbeit hätte vorlegen müssen. Aber wenn, es wäre wohl die Chronik zu 950 Jahren Meckenhausen gewesen. Obwohl ihn die Geschichte seines Heimatdorfs immer noch auf Trapp hält, hat der studierte Informatiker seinen Arbeitsradius erweitert und sich als Kreisarchivpfleger verpflichten lassen. „Eine schöne Aufgabe“, wie er Landrat Ben Schwarz verraten hat, aber auch eine, „mit der man niemals fertig wird“.
Hofbeck erinnert sich: In den 1990er Jahren hat er mit Ahnenforschung angefangen, es folgte das Mammutprojekt zur 950-Jahr-Feier des Hilpoltsteiner Ortsteils. „Vier Jahre“, lächelt der Vater eines Sohnes. „Aber es ist gut geworden.“ Dabei kommt es selten vor, dass Albert Hofbeck in seinem Innersten wirklich zufrieden ist. Dafür ist das Feld, das er als Kreisarchivpfleger beackert, zu große, dafür hat er noch zu viele andere „Baustellen“. Unter anderem ist er Vorsitzender des örtlichen OGVs, Feldgeschworener-Obmann, hält Vorträge in Seniorenrunden… „ich wäre auch ohne die Heimatpflege gut ausgelastet“.
So aber verbringt er Stunden um Stunden in der Kreisbibliothek im Hilpoltsteiner Haus des Gastes. Albert Hofbeck hat sich vorgenommen, den Bestand der über 10 000 dort eingelagerten Bücher und Dokumente mit Landkreisbezug zu sichten und zu digitalisieren. „4500 hab‘ ich schon“, lächelt er. Die Sammlung ist die eine Hauptaufgabe des Archivpflegers, die andere ist die Beratung und Begleitung der Kommunen. Für ihn bleiben 14, da sich die Städte Roth und Hilpoltstein Hauptamtliche leisten.
„Im Übrigen eine Pflichtaufgabe“, führt der 64-Jährige vor Augen. Der allerdings nicht alle Landkreisgemeinden mit dem „eigentlich gebotenen Engagement“ nachkommen, wie er bedauert. Die müssten folglich erst einmal sensibilisiert werden – auch das gehört zu seiner Tätigkeitsbeschreibung. Die freilich nicht in Stein gemeißelt ist. Kürzlich war eine Gymnasiastin in der Kreisbibliothek, die zur NS-Zeit forschte.
Nach Renteneintritt vor drei Jahren war eine Zeitlang Sport das große Thema, ehe es in die Chronistenrichtung ging. Der Kontakt zum Landkreis lief über Bezirksheimatpflegerin Dr. Annett Haberlah-Pohl, „gut für uns!“, sagt Ben Schwarz.
„Ich war schon immer geschichtsinteressiert“, erklärt ihm Albert Hofbeck, als er nach seiner Motivation fragt. Wobei es Begeisterung besser treffen dürfte. „Ich hab‘ was mitgebracht“, strahlt der Kreisarchivpfleger und zieht vorsichtig einen Flohmarktfund aus der Tasche. Ein Rechnungsbuch der Kirche Schloßberg aus den Jahren 1719 bis 1780. „Inklusive denen, die säumig waren. “
Der Landrat staunt nicht nur über den historischen Schatz, sondern ist auch von dem Enthusiasmus des Meckenhauseners angetan. „Es braucht Menschen wie Sie, die versuchen, Geschichte zu erhalten.“
Das ist gar oft nicht so einfach. Archivplatz ist oft Mangelware, benennt Albert Hofbeck eine der größten Herausforderungen. Eine andere: herausfinden, wer Personen auf alten Fotos sind. „Andernfalls sind sie für Archivzwecke oder Ahnenforschung wertlos“, hat er eine wichtige Botschaft an alle, die in irgendeiner Weise Erinnerungen bewahren wollen. Für Meckenhausen ist der 64-Jährige entsprechend „hinterher“, im Schnitt scannt und beschriftet er 100 Bilder pro Woche. Klar ist aber auch: „Das müssen Orte oder Verbände selber leisten“ und ist nicht Aufgabe des Kreisarchivpflegers.
Nicht zu unterschätzen sind Katalogisieren und Lagerung. Feuchtigkeit, Hitze, Temperaturschwankungen, Büroklammern – es gibt Vieles, was man falsch machen kann. Daher ist Albert Hofbecks Telefonnummer - (09174) 6535 – auch kein Geheimnis. „Ich möchte ja gefunden und gefragt werden.“ Oft beginnen Gespräche mit der Einleitung: „Wenn ich mal sterbe, was wird dann aus den Sachen…“, erzählt der Meckenhausener.
Der ist in seinem Element, wenn er den Unterschied zwischen einer Registratur und einem Archiv erklärt oder mancher Entdeckung. „Sie stöbern alte Dinge auf und helfen, sie zu bewahren“, bemerkt Ben Schwarz anerkennend.
Albert Hofbeck hat schon viele schöne Seiten an seiner Aufgabe ausgemacht. „Man entdeckt immer wieder Neues und kann viel bewegen.“ In seinem Fall vor allem Helfen, dass Sachen nicht verloren gehen. Deswegen ist er froh, wenn er auf einen Dachboden oder in einen Keller gerufen wird, um dort nach Erhaltenswertem zu suchen. Nach welchen Kriterien? „Was in 100 Jahren noch interessant sein könnte“, erklärt der Kreisarchivpfleger.
Denn klar ist auch: Was einmal verloren ist, ist verloren.