Licht in dunklen Stunden

Wendelstein wird am Sonntag Schauplatz von Erinnerungskultur – Verbindung aus Theater, Musik, Kultur und Berichten eines KZ-Überlebenden
Stand: 28.09.2026

Näher, intensiver und bewegender geht es nicht: Am Sonntag kommt das Konzentrationslager Theresienstadt ganz nah. Und das auf einmalige Weise. Schülerinnen und Schüler haben sich intensiv mit der Geschichte befasst und Beiträge für ein öffentliches Abschlusskonzert gestaltet. Zu diesen hat sich sogar ein Zeitzeuge angesagt.

„Dies dürfte eine der wenigen verbleibenden Gelegenheiten sein, mit einem Holocaust-Überlebenden ins Gespräch zu kommen“, möchte Projektverantwortlicher Yannik Pleick wachrütteln und für Sonntag, 4. Oktober, um 18 Uhr ins Gymnasium Wendelstein einladen. Wobei er überzeugt ist, dass neben der Begegnung mit dem Regensburger Ernst Grube auch das, was Schülerinnen und Schüler der beiden Gymnasien in Wendelstein und Hilpoltstein in dieser Woche zum Thema erarbeitet haben, einen Besuch wert ist. Das wird professionell begleitet durch ein hochkarätiges Bläserquintett sowie Texte und Gedichte, die der bekannte Schauspieler Roman Knižka vorträgt.

Roman Knižka liest aus Werken und Erinnerungen von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen, die in Theresienstadt inhaftiert waren und von denen viele nicht überlebt haben. Auch die Musik hat Bezug zu dem Lager, in dem über 150 000 Juden inhaftiert waren und das für Zehntausende Durchgangsstation auf dem Weg nach Auschwitz war. Das Ensemble Opus 45 spielt Werke von Komponisten, die von den Nazis deportiert oder ermordet wurden.

Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt, hinter dem das Bündnis „Demokratie leben!“ im Landkreis steht, das von dem deutschlandweiten Projekt gehört hatte. Deren Kontaktstelle sprach daraufhin die beiden Gymnasien in Wendelstein und Hilpoltstein an – Roth übrigens bewusst nicht, da dort am 18. November ein Tag der Demokratie organisiert wird.

In einem Workshop in dieser Woche setzen sich insgesamt rund 130 Elftklässler mit den Themen NS-Zeit, Holocaust und Antisemitismus, aber auch ganz konkret dem Leben im Konzentrationslager und Ghetto Theresienstadt auseinander. Das, was sie künstlerisch zu Papier bringen, wird dann am Sonntag in das Programm eingebaut.

Als Zeitzeugen konnten die Organisatoren den Holocaust-Überlebenden Ernst Grube gewinnen, der Anfang 1945 mit seinen Geschwistern und seiner Mutter nach Theresienstadt deportiert wurde. Er berichtet nicht nur über diese Zeit, sondern auch vom antisemitischen Umgang mit Juden im München der 1940er Jahren. Der heute 93-Jährige ist unter anderem Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

„Das Zeitzeugengespräch ermöglicht vor allem Jugendlichen eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Geschichte und macht deutlich, warum Erinnerungskultur gerade heute unverzichtbar ist“, sagt Yannik Pleick. Das vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ geförderte Projekt „Ich wandre durch Theresienstadt“ will ein Zeichen für demokratische Werte und gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Ausgrenzung setzen. Konzert und Erinnerungsgespräch finden am Sonntag, 4. Oktober, um 18 Uhr im Gymnasium Wendelstein statt. Der Eintritt ist frei.

Mehr zum Thema

Veranstaltungen

„Demokratie leben!“

Demokratie leben