
Vom Klassenzimmer in den Krieg
Lesung aus den Erinnerungen des Zeitzeugen Dr. Rudolf Ziesler (98) mit Autorin Diana Binder und Initiatorin Cornelia Griesbeck in Abenberg
Stand: 06.10.2026
Es könnte eine dieser Gelegenheiten sein, die es in naher Zukunft so nicht mehr geben wird. Aber egal, ob Zeitzeuge Rudolf Ziesler persönlich anwesend sein kann oder nicht – Der Abend, den seine Biographin Diana Binder am Donnerstag in Abenberg gestalten wird, verspricht, beeindruckend zu werden. Binder hat das Leben des heute 98-Jährigen, der von der Schulbank in den Zweiten Weltkrieg geschickt wurde, niedergeschrieben. Ziesler ist der Vater von Kreisrätin Cornelia Griesbeck, die die Veranstaltung zusammen mit dem Bündnis Demokratie leben möglich macht. Zusammen haben sie eine Botschaft.
„Wir müssen alles dafür tun, um diese friedliche demokratische Welt, die wir für über 70 Jahre geschaffen haben, zu erhalten". Griesbeck war letztlich die treibende Kraft hinter dem Buchprojekt „Ziehen, wenn der Funke springt“, das im April erschienen ist und das nun in Abenberg (und wenige Tage später auch noch in Wendelstein) als Gesamtkunstwerk vorgestellt wird. Der Ränkamer, ein Ortsteil von Furth im Wald nahe der tschechischen Grenze - der gleichnamige Übergang dürfte vielen noch aus den Verkehrsmeldungen ein Begriff sein –, ist mit 98 Jahren einer der letzten Zeitzeugen seiner Generation. Wann immer es ihm möglich ist, nimmt an den Lesungen teil – und bereichert sie entsprechend.
Zieslers Geschichte ist beispielgebend für die vieler junger Männer, denen das Naziregime die Jugend nahm. „Kinder“ ab 14 Jahren wurden in den letzten Kriegsmonaten eingezogen wurden. Auch im Landkreis Roth gab es vergleichbare Schicksale. „Die Biographie ist aber kein Buch über den Krieg, sondern für den Frieden“, sagt Cornelia Griesbeck.
Eine der zentralen Fragen, denen die freischaffende Autorin Diana Binder auf rund 130 Seiten nachgeht, lautet: Wie verändert der Krieg ein junges Leben? Schließlich fand Rudolf Zieslers Kindheit und Jugendzeit mit gerade einmal 16 Jahren das abrupteste Ende, das man sich vorstellen kann: Im Krieg ging es nur noch ums Überleben.
Doch Zieslers Geschichte, die Diana Binder nach vielen Gesprächen mit ihm aufgeschrieben hat, ist mehr als nur vom Krieg geprägt, sie erzählt von Mut zum Neuanfang und dem Glauben an eine bessere Zukunft: Statt zu verzweifeln, hat der Bauernsohn immer an Chancen geglaubt und sie ergriffen. Ganz gemäß seinem Lebensmotto, einem Zitat aus seinem Lieblingsbuch „Antonio Adverso“ „Ziehen, wenn der Funke springt“, zugleich Titel seiner Biographie. Bedeutet: Es liegt an jedem selbst, an seiner Situation zu verzweifeln, oder das Beste aus seinem Leben zu machen.
Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft hat es der heute 98-Jährige mit Disziplin, Bildungshunger und einer gehörigen Portion bis zum promovierten Bankdirektor geschafft und konnte und schaffte sich und seiner Familie ein angesehenes und angenehmes Leben bieten.
Besonders wie Biographie und Buch ist auch die (kostenfreie) Lesung, die am Donnerstag, 15. Oktober, um 19 Uhr, im Abenberger Bürgersaal stattfindet. Wesentlicher Bestandteil ist die Einbeziehung von Jugendlichen, die ausgewählte Stellen vortragen und sich so intensiv mit den Erfahrungen der Kriegsgeneration auseinandersetzen. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Nachwuchsband Down4Music aus Hilpoltstein.
„Wir freuen uns sehr, dass wir die Geschichte von Dr. Rudolf Ziesler in unserem Landkreis erzählen können“, betont Yannick Pleick vom Bündnis Demokratie leben. „Da wird Zeitgeschichte lebendig.“
Gut zu wissen: Autorin Diana Binder, aufgewachsen im Landkreis Cham, entdeckte früh ihre Leidenschaft für Sprache und Geschichten. Nach über zwei Jahrzehnten als Redakteurin arbeitet sie seit einigen Jahren als freie Autorin und hat zahlreiche Buchprojekte umgesetzt, darunter mehrere Sachbücher, Porträts und Unternehmensgeschichten. Das Buch, „Ziehen, wenn der Funke springt“ - Erinnerungen des Zeitzeugen Dr. Rudolf Ziesler aus dem Bayerischen Wald, ist im Battenberg Bayerland Verlag erschienen und kostet 19.90 Euro. Neben der Lesung in Abenberg ist eine weitere Veranstaltung in Wendelstein geplant. Diese findet am Mittwoch, 28. Oktober, um 19 Uhr im katholischen Vereinshaus statt.